Vom 30. August bis zum 08. September 2012 bringt die 27. Festivalausgabe viel Bewegung nach Hannover: Ein randvolles Programm mit aktuellen Tanzproduktionen internationaler ChoreografInnen wird die Landeshauptstadt erneut zehn Tage lang zur Pilgerstätte für alle Tanzinteressierten werden lassen.

Tanztheater International Hannover 2012Das seit 1985 bestehende Festival gehört zu den traditionsreichsten Präsentationsplattformen für zeitgenössischen Tanz bundesweit. Doch Tradition verheißt hier gleichzeitig auch Innovation, denn jedes Jahr aufs Neue spürt Festivalleiterin Christiane Winter aktuelle Trends und Tendenzen zeitgenössischer Tanzproduktionen für TANZtheater INTERNATIONAL auf und stellt diese in Hannover vor. So gibt es auch 2012 viel zu entdecken: ChoreografInnen, die erstmals in Hannover vorgestellt werden, aber auch einige bereits bewährte Gruppen mit vielversprechenden neuen Produktionen.

Das Festivalprogramm

Das Programm 2012 präsentiert sich wie gewohnt sehr vielfältig, frisch und experimentierfreudig. Das Publikum erwarten innovative Ideen, kluge Reflexionen und gesellschaftskritische Betrachtungen. Im Zentrum der eingeladenen Arbeiten stehen Themen, die das urbane Leben betreffen und die Gesellschaft heute bewegen.

Die eingeladenen KünstlerInnen haben ihre Wurzeln bzw. leben oder arbeiten in Frankreich, Spanien, Deutschland, den USA, Belgien, Israel und Japan. Insgesamt gastieren 13 verschiedene Ensembles und ChoreografInnen mit ebenso vielen unterschiedlichen Tanzproduktionen, darunter drei Uraufführungen und zwei deutsche Erstaufführungen.

Zu den bekannten Gesichtern bei TANZtheater INTERNATIONAL 2012 zählen diese KünstlerInnen: Peeping Tom, das beliebte belgische Künstlerkollektiv, die in ihrer aktuellen Produktion „À Louer / For Rent“ zu einem Ausflug in ihre skurrilen Bühnenwelten einladen. Die Berliner Tanzregisseurin Helena Waldmann stellt nach verschiedenen Produktionen rund um die visuelle Wahrnehmung nun ihr jüngstes, sehr tänzerisches Stück beim Festival vor, das „GlückStück“.
Weniger glückbringend klingt der Titel der neuen Soloproduktion „It’s going to get worse and worse and worse, my friend“ der Ausnahmeperformerin Lisbeth Gruwez/Voetvolk aus Belgien. Gruwez liefert in diesem  hochenergetischen Stück Einblicke in das Suggestionspotential von Körpersprache. Die Regisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klaßen aus Berlin konfrontieren mit „Logobi 05“ wieder auf unterhaltsame Weise europäische und ivorische Kulturkonventionen. Der Publikumsliebling der vergangenen beiden Festivalausgaben,  Pierre Rigal aus Toulouse mit seiner Compagie dernière minute präsentiert sein jüngstes Stück „Standards“ zum ersten Mal in Deutschland und setzt im wahrsten Sinne des Wortes mit acht Hip-Hoppern tänzerische Maßstäbe.

Dem Hip-Hop als aus dem urbanen Leben geborene Kunstform widmet sich TANZtheater INTERNATIONAL in diesem Jahr verstärkt zu und betrachtet diese in Zusammenschau mit dem zeitgenössischen Tanz.
Als RepräsentantInnen dieses Festivalaspektes werden verschiedene KünstlerInnen in Hannover neu vorgestellt. Hierzu gehört die Kompanie Sébastien Ramirez: Sébastien Ramirez & Hyun-Jung Wang, Ramirez erhielt erst kürzlich den ersten Preis beim „26. Internationalen Wettbewerb für Choreographen“ in Hannover. Beim Festival gastieren sie gleich mit zwei Produktionen, „True Blue Market“ in deutscher Erstaufführung und „Monchichi“, beides Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Tanzstilen.  Der international gefeierte deutsche Hip-Hopper Storm lässt in „28 Jahre in 28 Minuten“ sein ereignisreiches Künstlerleben Revue passieren lässt und teilt sich den Abend mit der Compagnie par Terre/Anne Nguyen aus Frankreich, die in dem weiblich besetzten Duo „Yonder Woman“ Hip-Hop-Moves dekonstruieren und so Neues entstehen lassen. Im Kontrast dazu steht der letzte Festivalneuling Israel Galvàn aus Sevilla, der in seiner Produktion „La Edad de Oro“ den traditionellen Flamenco durch Elemente aus anderen Stilen erweitert und damit ins 21. Jahrhundert überführt.

Somit spiegelt das Festivalprogramm erneut die Vielfalt und das große Potential von Tanz als künstlerischem Ausdrucksmittel wider. Hiermit befasst sich dann auch ein Vortrag des Autoren und Tanzwissenschaftlers Franz Anton Cramer im Rahmen des Festivals, der das Programm abrundet.

„Think Big“ Künstlerresidenz-Programm

Gemeinsam mit dem Ballett der Staatsoper Hannover initiierte TANZtheater INTERNATIONAL 2012 erstmals ein Künstlerresidenzprogramm für junge ChoreografInnen in Hannover. Gefördert von der Stiftung Niedersachsen, der Stiftung Kulturregion Hannover und dem Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover wurden die drei ChoreografInnen Philipp van der Heijden, Chikako Kaido und Yaron Shamir eingeladen, in Hannover jeweils eine größere Ensemblechoreografie in den Probenräumen der Staatsoper zu erarbeiten. Im Rahmen der diesjährigen Festivalausgabe kommen die drei so entstandenen Produktionen mit einem eigens für das Projekt gecasteten Ensemble zur Uraufführung.

Die Festivalspielorte sind: Ballhof Eins, Ballhof Zwei, Hochschule für Musik, Theater und Medien sowie das Schauspielhaus. Aufgrund von Sanierungsarbeiten steht 2012 die Orangerie Herrenhausen nicht als Spielort zur Verfügung.